Opazitäten: Ein schwieriges Thema leicht erklärt

Super schwierig? „Das werde ich nie begreifen!“ Keine Sorge, wir werden Licht ins Dunkle bringen. Ich werde Opazitäten so erklären, dass Du mit dem Gefühl gehst, verstanden zu haben worum es geht.

Opazitäten ist ein Thema, welches ich sehr gerne umgehe, denn es kann kompliziert sein. Leider wird es oft sehr praxisfern erklärt und ich hatte Schwierigkeiten zu verstehen worum es dabei wirklich ging und wieso dies so wichtig fürs Pouring ist. Natürlich kann man auch Dinge verkomplizieren. Hier wirst Du heute erfahren was genau hinter dem Thema steckt und wie Du dies für Dein Pouring zu Nutze machen kannst.

Grundlagen:

Zu aller erst: Opazitäten haben nichts mit Obazda, der bayrischen Spezialität zu tun. Opazität (lat. opacitas „Trübung“, „Beschattung“) bezeichnet das Gegenteil von Transparenz, also die mangelnde Durchlässigkeit einer Farbe. Im folgenenden werde ich ebenfalls oft davon sprechen, ob eine Farbe opak ist, dies bedeutet einfach, ob eine Farbe undurchsichtig, lichtundurchlässig ist.

Jede Farbe hat einen Transparenzgrad, der fürs Pouring relevant sein kann. Wenn ich eine Farbe mit hoher Transparenz nutze und eine mit niedriger Transparenz, dann wird sich in der Regel die opake, trübere, nicht transparente Farbe über die transparente Farbe legen.

Dies hat mit den Farbpigmenten der entsprechenden Farbe zu tun. Ihre natürlichen Eigenschaften führen dazu, dass eine Farbe transparent (nicht opak), halbtransparent (gering opak) oder deckend (opak) ist.

Die Opazität kann sich von Hersteller zu Hersteller anders darstellen, daher ist es im Vorfeld sinnvoll die Opazität der Farben zu überprüfen. Bei den „guten“ Farben ist es auf der Rückseite der Farbe in der Regel notiert.

Farbkennzeichnung der Opazität:

  • Das schwarz ausgefüllte Viereck = deckend
  • Halb weißes / halb schwarzes Viereck = halb deckend
  • weißes Viereck mittig durchgestrichen = halb transparent
  • weißes Viereck = transparent

Bei einigen Farben ist die Opazität nicht vermerkt (Artina, Kreul El Greco, Marabu). Du kannst natürlich selbst die Opazität der Farben herausbekommen durch einen einfachen Test, aber  Du kannst auch einfach nach dem Prinzip „Try and Error“ vorgehen. Meist liegst Du ganz richtig, wenn Du Dich an anderen Farben ähnlicher Qualität und Farbeton orientierst. Oftmals kannst Du aber auf der Homepage des Herstellers die Opazitäten herausbekommen.

Wie bekomme ich durch einen Test die Opazität der Farben heraus, wenn auch auf Seiten des Herstellers nichts darüber zu finden ist?

Das geht in der Tat recht einfach:
Ein Blatt Papier mit eine schwarzer Linie, den Du mit einem wasserfesten Stift (Edding z.B.) in der Mitte aufträgst, gibt Dir hierüber Auskunft. Streiche die besagte Farbe mittels eines Pinsels mittig über die Linie. Wenn die Linie unter der Farbe noch deutlich sichtbar ist, handelt es sich um eine transparente Farbe. Scheint sie nur noch etwas hindurch, ist es eher eine halbdeckende bzw. halbtransparente Farbe. Ist der schwarze Strich nicht mehr zu sehen, ist die Farbe deckend. So einfach geht das!

Hierbei unterschiede ich persönlich jedoch nur noch in opak, halbtransparent und transparent. Die Unterscheidung von halbdeckend und halbtransparent kann ich nicht sehen und überlasse dies lieber den Profis, dem Hersteller. Wenn es jedoch auf der Farbe vermerkt ist, hilft es weiter, da schon ein Unterschied besteht, ob die Farbe halb deckend oder doch halb transparent ist.

Okay, kommen wir weg von der Theorie hin zur Praxis:

Wir nehmen folgende Beispielfarben, die vom Hersteller nicht gekennzeichnet waren:

  • Fluoreszierend Orange – Transparent
  • Chromoxidgrün – Halbtransparent
  • Vandyckbraun – opak / deckend

Beispiele meines Opazititäten – Tests, siehst Du hier:

Die deckenden Farben zum Beispiel weiß und Primärblau sind in der Regel die Farben, die etwaige Reaktionen einrahmen. Schwere Farben, wie z.B. weiß sinken eher ab, solche weniger schwere, weniger deckende Farben steigen auf und legen sich über das weiß.

Doch so technisch und vorhersehbar sich das alles auf dem Papier anhört, ist es dann doch nicht. Vieles hiervon ist durch die Nutzung des Pouringmediums anders und nicht mehr so planbar, wie man es gerne hätte. Insofern ist und bleibt es spannend, denn niemand kann vorhersagen wie die Farben mit dem Mischverhältnis des Pouringmediums und Wasser reagiert.

Und hat es weh getan? Konnte ich Deine Angst gegenüber den Opazitäten nehmen?

Grundsätzlich ist dieses Thema recht trocken, wird dann jedoch wieder spannend, wenn Du weißt, welche Farbe sich eher über welche legt. Bei mir ist schwarz und Ultramarinblau eigentlich immer ein Garant für Zellen und Reaktionen. Erst sinkt die schwere Farbe ab und steigt dann auf, um in Zellen an die Oberfläche zu gelangen. Achte also auf die kleinen Vierecke auf den Farbtuben oder mach den Test selbst. Mir hat es Spaß gebracht und der Zettel mit der Farbe liegt nun immer Griff bereit neben meiner Arbeitsfläche. So schwierig, wie man denkt, ist es eigentlich nicht. Wie gehst Du mit dem Thema Opazitäten um und hast Du es auch wie die Pest am Anfang vermieden? Welches ist Deine Lieblingsfarbe für Reaktionen? Hinterlasse mir doch gerne einen Kommentar, ich bin gespannt auf Deine Erfahrungen zu diesem Thema.

4 thoughts on “Opazitäten: Ein schwieriges Thema leicht erklärt

  1. Hallo,
    danke, das ist sehr hilfreich für Anfänger 😀 Meistens ist es aber auf der Packung angegeben oder? Gibt es auch ein Bildbeispiel für eine halbdeckende Farbe?
    Danke und viele Grüße!

    1. Hallo Paula,

      gerne doch. Meistens ist es auf der Farbtube angegeben, aber es gibt eben auch Firmen, bei denen es nicht drauf steht. Kreul El Greco ist da nur ein Beispiel. Und im oberen Test kannst Du die halbdeckende Farbe gut sehen. In einem Pouring generell würde ich immer opak mit halbtransparenten Farben nutzen, damit die Farben reagieren können. Man sollte die Finger von nur opaken oder nur transparenten oder halbtransparenten Farben in einem Pouring lassen, denn die Mischung macht Reaktionen erst möglich.

      Lieben Gruß,

      Ulla von PouringPaws

  2. Hallo, schön erklärt, aufgeklärt bin ich leider noch nicht 😊 wie verhält es sich mit den Zellen? Welche Farbe setzt sich durch, bzw in welche mache ich am sinnvollsten Silikonöl um schöne Zellen in unterschiedlichen Farben zu bekommen?

    1. Hallo Moin Julia,
      alsoooo. Zellenreaktionen entstehen bei mir durch die unterschiedlichen Opazitäten und durch die Bewegung beim Schwenken oder bei der entsprechenden Pouringmethode. Die opaken Farben sind die, die sich hierbei eher durchsetzen, wenn Du es so nennen willst. Sie schieben sich über die anderen Farben, welche gerne absinken.

      Bei mir ist es das Ultramarinblau oder das Brillantviolett, geschweige denn das Schwarz, die ein prima Garant für Zellen sind.

      Wenn Du mit Silikonöl arbeiten willst, womit ich weniger Erfahrungen habe, da ich nie welches nutze, dann würde ich z.B. dieses bei einem Swipe in die Swipefarbe tun oder in zwei oder drei Farben, die Du für Dein Pouring nutzen möchtest. Wichtig ist hierbei jedoch nur einmal kurz und vorsichtig das Silikon im Becher zu rühren, nicht zu viel umrühren, damit das Silikon nicht verloren geht. Ich würde in der Tat so zwei, drei Farben mit Silikon versehen, so dass Du viele unterschiedliche Zellen bekommest.
      Kleiner Tip noch: Beim Silikon ist weniger mehr. Nur ein, zwei Tropfen Silikon pro Becher reichen völlig aus!

      Lieben Gruß,

      Ulla / Deine Pouringpaws

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