Was kann so alles schief gehen? Oder: Warum Du nie ein perfektes Pouring hinbekommst

Wie wandle ich ein Problem eines Pourings in einen Erfolg? Ist es möglich im vorhinein alles einzukalkulieren, was möglich ist? Wie wende ich die Karten oder ist das Spiel gezinkt?

Seit ich Anfang 2018 mit dem Pouring begonnen habe habe ich so einige Fehler begangen, die ich gerne an Dich weitergeben möchte. Vieles kann schief gehen und immer wieder kommen neue Probleme dazu, von denen ich nicht geahnt hätte, dass sie sich als Problem herausstellen könnten. Doch Beharrlichkeit und eine gesunde Portion Sturheit haben es bisher immer zu einem positiven Ende für mich bringen lassen.

Doch was meine ich damit, dass Du niemals ein perfektes Pouring hinbekommen wirst? Du kannst vieles im Vorfeld kalkulieren, von der benötigten Farbmenge, von der Mischung der Farben, von der Konsistenz bis zur Leinwandlagerung, der Temperatur. Und doch gibt es manches mal Überraschungen, weil die Farbe heute anders reagiert, als sie es gestern getan hat. Vielleicht ist die Farbe alt, die Temperatur doch kälter als Du angenommen hast und möglicherweise hast Du heute mehr Wasser genommen, ohne dass es Dir aufgefallen ist.

Stecken wir deswegen den Kopf in den Sand? Nein, natürlich nicht. Wir rücken unsere Krone gerade und machen weiter. Vor allem machen wir das beste aus dem Endergebnis! Aus diesem Grund möchte ich Dir von diesem Projektbeispiel erzählen, wie mein steiniger Weg bis zum perfekten Endprodukt war!

Vom Anfang an:

Ich wollte jemandem anläßlich eines Events in Berlin ein Pouring schenken. Hierfür hatte ich mir den Dutch Pour ausgesucht und als Vorgaben der Farben gab es für mich: Schwarz,Weiß und Rot sein. Als Farbtupfer entschied ich mich ebenfalls dazu Blau zu verwenden.

Problem 1: Zu viel Farbe!

Nach der Vorbereitung startete ich wie immer, doch wie sich herausstellte, hatte ich für das große Format von 40 x 50 cm deutlich zu viel Farbe vorbereitet. Wer sagt, lieber zu viel Farbe als zu wenig, hat noch nie einen Dutch Pour mit zu viel Farbe gemacht. Ich hatte mit meinem Fön Mühe die Farbe zu verteilen bzw. die Primärfarben zum Vorschein zu bringen. Leider hatte mein Fön ausreichend Leistung um mein Atelier mit schwarzen Farbspritzer an Wand und Wanne zu sprenkeln.

Farbtupfer an der Wand bringen Glück am dritten Tag, oder so?
Farbtupfer an der Wand bringen Glück am dritten Tag, oder so? Ein kleiner Farbtupfer gefällig, gnädige Frau?

Problem 2: Kein Torchen!

Die Trocknungszeit lief ohne Schwierigkeiten oder Besuche unserer Katzen im Atelier (Gott sei Dank). Doch leider ohne zu torchen platzten im Rahmen des Trocknungsprozess all die kleinen Luftblasen auf, die unschöne Bläschen hinterließen. Grundsätzlich ist das kein Problem, wenn das Finish anschließend stimmt. Und doch wieder ein kleiner Dämpfer. Übermut kommt vor dem Fall, oder wie heißt es so schön. Die kleinen Luftbläschen in der Farbe haben diese kleinen runden Erhebungen beim Trocknen hinterlassen. Unschön, aber nicht schlimm. Die Versiegelung sollte es rausreißen!

Problem 3: Temperatur beim Versiegeln

Nach entsprechender Trocknungszeit ging ich an die Versiegelung mittels glänzendem Sprühlack. Die erste Lage Lack war kein Problem und hinterließ bereits einen schönen Glanz. Doch die zweite Lage Sprühlack stellte mich dann vor ordentliche Herausforderungen. Aufgrund der entstehenden Dämpfe, habe ich das Fenster geöffnet. Während des Sprühens trug ich natürlich einen Mundschutz und doch muß man für ausreichende Belüftung sorgen. Das ist man sich und seiner Gesundheit schuldig. Leider war die Außentemperatur zu niedrig für das Auftragen des Lackes. Er zog sich beim Trocknen zusammen und bildete Unebenheiten, gar Risse. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits mehr Zeit und Nerven in das Bild investiert, als ich es mir gewünscht hatte. Das Leben ist leider kein Ponyhof.

Ein Bild von diesem Stadium des Bildes gibt es nicht. Schade eigentlich. Es wäre ein gutes Anschauungsobjekt gewesen. Ans Aufgeben wollte ich nicht denken, daher gab es nur noch eine einzige Möglichkeit das Bild zu retten: RESIN.

Problem 4 – 6: Trennung Resin / Hardener, schlechtes ArtResin, Tisch nicht in Waage!

Insgesamt mußte ich drei Schichten Resin auftragen, damit die Unebenheiten und Risse komplett geglättet waren. Wie sich im Nachhinein hinaus stellte, war mein Tisch leider nicht mehr in Waage und machte das Trocknen gerade im unteren Bereich des Bildes schwierig.

Bei der zweiten Schicht begann ich das Resin und den Hardener in meinen Meßbecher zu geben und stelle fest, dass mein Resin bereits beim Eingießen in den Meßbecher total klumpig war. Es scheint so, dass  hier Tropfen vom Hardener im Vorfeld hinein gekommen sein müssen, so dass das Resin bereits zu reagieren begann, ohne dass es die Flasche jemals verlassen hatte. Wie es dazu gekommen ist, bleibt mir bis dato ein Rätsel und sicher können die Resinprofis unter uns über mein Problem lächeln und mit ein, zwei Handgriffen das Ruder herumreißen. Doch mir was das Eisen zu heiß und ich habe das Resin verworfen und eine neue Flasche geöffnet. Mal eben 80 Euro und mehr aus dem Fenster zu werfen bzw. in die Tonne zu schmeißen, schmerzt schon.

Leider bin ich immer noch auf der Suche nach einem perfektem Resin. Ich habe mit Resin4decor gearbeitet. Dieses mal ließ es das weiß leider vergilben. Dies konnte ich leider nicht verhindern und mußte mich damit abfinden, dass die Strahlkraft des Weiß nicht mehr vorhanden war.  Mit dem endgültigen Ergebnis bin ich soweit zufrieden. Ich weiß, welche Steine ich mir selbst und mir durch das Material in den Weg gelegt wurden.

Das fertig gegossene Bild nach der Trocknung
Das fertig gegossene Bild nach der Trocknung

Problem 7: Aufbrechen der Farbe? Keine Angst, ein Glück nicht!

Ein Glück gab es dieses Problem beim Pouren nicht. In der Anfangsphase hatte ich jedoch häufiger, als ich z.B. Liquitex INK und normale Acrylfarbe in einem Pour gemischt habe, was zum Aufbrechen, zum Auseinanderfasern der Farbe geführt hat. Auch wenn die Farbe zu dünn ist, kann es schnell zu dem gleichen Effekt kommen.

Problem 8: Farbklumpen auf dem Bild? Heute nicht!

Wenn Du Deine Farbe nicht ordentlich genug verrührst, kann es sein, dass Farbklumpen in Deiner Mischung verbleiben und beim Pouren zum Einen mit einem Blop auf die Farbe knallen und schöne Muster zerstören. Und zum anderen verbleiben die genau als solche Blops in der Farbe. Ein Schachlickspiek, die Hinterseite eines Pinsels oder Zahnstocher gehen gut, diese zu entfernen.

Mein Fazit aus diesem Desaster:

  • Achte immer darauf, dass Dein Arbeitstisch in Waage ist.
  • Sei Dir niemals zu sicher. Hast Du genug Farbe oder zuviel? Wenn Du zuviel hast, dann nutze sie für ein anderes Bild. Zu viel Farbe ist genauso ätzend wie zu wenig, in meinen Augen.
  • Hast Du zu viel Farbe für einen Dutch Pour aufgetragen, schütze Dich und Deine Umgebung. Farbspritzer sind vorprogrammiert!
  • Achte beim Trocknen auf die Außentemperaturen, wenn Du dein Bild diesen aussetzt.
  • Das  Torchen nicht vergessen, das spart das Überdecken der Luftblasen.
  • Achte darauf, dass dein Arbeitsmaterial in Ordnung ist. Ich hielt mich selbst zurück, dass Resin zu verwenden, welches im Vorfeld Probleme aufzeigte. Ich will nicht wissen, welches Desaster auf mich gewartet hätten, wenn ich es benutzt hätte.
  • Arbeite bedächtig. Überlege Dir Deine Arbeitsschritte im voraus. Wenn Du angefangen hast, gibt es kein zurück mehr.

Abschließend ein paar Impressionen des Bildes und die abschließenden Bilder mit Resin. Ein fotografieren gestaltet sich aufgrund des Glanzes immer schwierig. Seht es mir also nach. Lange Rede, kurzer Sinn: Es gefällt. Und das war mir das Wichtigste.

Wie Du siehst kann Beharrlichkeit und auch eine gehörige Portion Sturheit ein Bild letzten Endes zu einem Erfolg führen. Auch wenn der Weg dort hin steinig sein mag, so lohnt es sich den Weg ebenso zu gehen, wie ins Ziel zu kommen. Ein perfektes Bild? Vielleicht nicht unbedingt, so wie Du es Dir vorstellst, aber nichts desto trotz ist es perfekt! Was für Probleme hast Du schon beim Pouren erfahren? Welche Mißgeschicke sind Dir bereits wiederfahren.  Hinterlasse mir doch einen Kommentar mit Deinen Geschichten, ich freue mich davon zu hören. Es ist schließlich gut zu wissen, dass man nicht allein ist mit den Schwierigkeiten des Pouringalltages!

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