Pouringbegriffe schnell erklärt – So bist Du flott im Pouringthema angekommen!

Pouringbegriffe gibt es viele, tauche ein in die Thematik und lass uns dabei Klarheit bringen! Einfach und schnell erklärt, verständlich und praxisnah.

Als ich mit dem Pouring angefangen habe, hat mich die Masse an Pouringbegriffe(n) förmlich erschlagen. Was war der Unterschied eines Dirty Pour zu einem Flip Cup? Was sind dies für einzelne Techniken und wovon sprechen die Künstler hier eigentlich die ganze Zeit? Hier findest Du eine Lösung zu Deinem Problem, hier sind die gängigstens Pouringbegriffe einfach und praxisnah erklärt. Hier findest Du Antworten auf Fragen, die Du in Bezug aufs Pouring hattest.

 

Eine Liste der häufigsten Pouringbegriffe:

Fast alle Pouringbegriffe (= Gießen) kommen aus dem Englischen. Dieses Verfahren, diese Art Kunst zu erstellen, ist aus dem englischsprachigem Raum nach Deutschland geschwappt.

Hier die Übersetzung und Erklärung der verbreitesten Pouringbegriffe:

Flip Cup:

Das Flip Cup Verfahren ist das Verfahren, in dem Du in einem Becher die Farbe nach und nach schichtest (nach und nach dazu gibst). Anschließend legst Du die Leinwand auf den Becher und drehst beides in einer schnellen Bewegung um. Nun solltest Du ein paar Sekunden warten, damit sich die Farbe in Ruhe senken kann. Langsam nun den Becher angeheben und der Farbenmix verteilt sich auf der Leinwand. Als letzten Schritt muß die Leinwand nur noch so geschwenkt werden, dass die Farbe überall dort hin kommt, wo sie hin soll und das Bild vollkommen bedeckt wird. Fertig.

Puddle Pour:

Puddle pour heißt „Pfützen gießen“ auf Deutsch. Bei diesem Verfahren gießst Du einen Klecks Farbe auf die Leinwand. In die Mitte des Klecks gießst Du dann die nächste Farbe und so weiter. Hierbei kannst Du ein One – Puddle – Pour machen, was besagt, dass nur eine Pfütze genutzt wird. Dies lohnt sich bei kleineren Bildern, aber ist bei größeren eher unpraktisch. Dann solltest Du eher mehrere Kleckse nutzen.
Gerne kannst Du, bevor man anfängt das Bild zu schwenken, mit dem Finger einmal durch die Farbe streichen. Dadurch entstehen mitunter interessante Verziehungen und feine Farblinien, die die Sache spannender machen können meiner Erfahrung nach. Wenn Du mein Vorgehen genauer unter die Lupe nehmen möchtest, dann folge diesem Link.

Ring Pour:

Ring pour ist das „Ring gießen“ auf Deutsch. Beim Ring pour versuchst Du ein baumringähnliches Gebilde zu schaffen. Hierbei gießst Du wieder die Farbe nach und nach in einen Becher. Dieser Becher mußt du dann mit kleinen, fein kreisenden Handbewegungen langsam auf Mitte der Leinwand  gießen, sodass hier die feinen jahresbaumähnlichen Linien entstehen. Das Bild wird wieder so geschwenkt, dass es all die Bereiche bedeckt, die es bedecken soll. Achtung: Du muß vorsichtig schwenken, wenn Du zu viel schwenkst geht die wunderschöne und gewollte Struktur schnell kaputt. Leider macht hierbei oft die Übung den Meister. Doch verzage nicht, die ersten Versuche gehen meist schief, dafür sind die späteren Resultate umso schöner.

Dirty Pour:

Der dirty pour ist das „schmutziges Gießen“ auf Deutsch. Acryl gießen an sich ist eine schmutzige Art der Kunst. Man kleckert viel (und gerne), die überschüssige Farbe tropft vom Rahmen herrunter. Daher solltest Du unbedingt Vorkehrungen schaffen, damit die Garage, Wohnung oder das Haus danach nicht aussieht, als hätte eine Farbexplosion stattgefunden (es sei denn natürlich, das entspricht Deinem Geschmack :)). Aber interessanterweise ist dies nicht damit gemeint. Ein Dirty pour ist, wenn Du alle vorbereiteten Farben in einem Becher schichtest und diesen dann vorsichtig über die Leinwand gießt. Anschließend mußt Du bei fast allen Techniken die Leinwand hin und her schwenken, bis das Ergebnis so ist, wie Du es Dir vorstellst und die komplette Leinwand bedeckt ist.

Swipe:

Diejenigen Künstler, die mit Silikon arbeiten, arbeiten gerne mit der Swipe („wischen“) – Technik. Hierbei wird die Farbe aufs Bild aufgebracht wie man möchte, sei es in Streifen, in Pfützen, oder „geschüttet | gegossen“. An einem Rand des Bilders wird nun die Farbe aufgebracht, die als Wischgrundlage dienen soll und sich dann über die anderen Farben legt. Mittels eines Tuchs, einer Zeitung, eines Plastikblattes oder eines Malerspatels wird dann von der Wischfarbe ausgehend über die anderen Farben gewischt. Hierbei entstehen wundervolle Zellen und Kunstwerke. Leider jedoch nur unter der Zuhilfenahme von Silikon, welche im Vorfeld den Farben bis auf der Wischgrundlagenfarbe beigemischt wurde.

Dutch Pour:

Der Dutch Pour ist ein tolles Verfahren, welches einen Fön als Hilfsmaterial nutzt. Du hast richtig gehört. Hier darf der Fön die Arbeit des Verteilens auf dem Bild übernehmen.  Hierbei kannst Du in zweierlei Varianten (und sicherlich mehr) vorgehen:

  1. Möglichkeit ist, dass Du das Bild mit einer Grundfarbe (weiß, schwarz oder blau, wonach Dir der Sinn steht) bedeckst. Danach kannst Du  einige Punkte mit den Farben setzen, die Du für den Pour haben möchtest. Um diese Farbpuddles herum verteilst Du dann die Hintergrundsfarbe großzügig. Mit dem Fön pustest Du nun die Grundfarbe über die kleinen Puddles, so dass diese fast vollständig bedeckt sind. Jetzt fönst Du aus diesen Puddles heraus. Nachgeholfen werden kann mit einem Strohhalm oder mit dem Mund, um die Form zu erhalten, die Du Du haben möchtest oder um einzelne Partien hervorzuheben oder zu verbessern.
  2. Möglichkeit ist ähnlich zur Möglichkeit 1. Das Bild grundierst Du mit Deiner Wunschfarbe. Du wartest nun leider bis die Farbe trocken ist und gibst dann kleine Puddles mit den Farben, die Du für das Bild nutzen möchtest, auf das Bild. Diese werden wieder mit dem Fön in Form gepustet, ggf. mit dem Mund oder Strohhalm nachgeholfen.

    Keine dieser Möglichkeiten ist falsch oder richtig! Jede Methode ist für ein entsprechendes Ergebnis nutzbar. Man muß nur wissen, was man als Ergebnis erwartet. Bei der ersten Methode hast Du natürlich deutlich mehr Reaktion mit der Grundfarbe zu erwarten, als bei der zweiten Methode. Hierbei ist natürlich wieder das Auge des Künstlers, Dein Auge und Deine Erwartung an das Ergebnis diejenigen, die entscheiden, welche Methode Du für diesen speziellen Fall nutzt.

Floetrol oder andere Kleber:

Floetrol ist ein Acryl Gießkleber, der leider nicht in Deutschland produziert wird. Gerne ist er in entsprechenden Künstlerbedarfshops ausverkauft, da die Nachfrage hoch ist. Diese Kleber sind in der Anschaffung deutlich günstiger als z.B. das Liquitex Pouringmedium ist (Beispiel: Floetrol 1 l Kanister ~ 15 Euro, Liquitex Pouringmedium 936 ml Flasch ~ 32 Euro).
Mich hat die Vorstellung, einen Kleber als Pouringmedium zu verwenden, jedoch immer abgeschreckt. Sicherlich schwören viele darauf, ich verzichte jedoch auf Kleber. In meinen Augen beinhalten diese Kleber mehr (giftige) chemikalische Bestandteile, als ich verantworten möchte.

Torchen:

Denglisch: „To torch something“ bedeutet, etwas anzustecken / anzuzünden. Dies machst Du mittels eines kleinen Flambierbrenners, wie sie für Crème Brûlée genutzt werden. Mit der Flamme wird kurz über das Bild gegangen, um die Luftblasen aus dem Bild zu entfernen. Die Luftblasen entstehen durch das Anrühren der Farben, denn Du willst sichergehen, dass die Farbe, das Pouringmedium und auch das Wasser zu einer homogenen Flüssigkeit werden. Farbklumpen sind auf einem Bild sehr ärgerlich und durch sorgfältiges Rühren kannst Du dies verhindern. Auch bei einem Dutch Pour ist das anschließende Torchen ein Muss. Durch die Kraft des Föns erhälst Du viele kleine Luftblasen in der Farbe, die später zu unschönen kleinen, aufgeplatzten Pünktchen werden im Rahmen des Trocknungsprozesses. Aber Vorsicht: Gehe niemals zu lange über das Bild, denn die Farbe leidet darunter und wir wollen sie nicht wirklich anstecken / anzünden. (Leider alles schon passiert, daher spreche ich aus Erfahrung.)

Negative space:

Negativ space heißt auf Deutsch „negative Fläche“. Ich arbeite gerne mit solchen Flächen, auch wenn es aufgrund des Pourings an sich nicht immer gelingt. Eine negative Fläche ist im Grunde lediglich eine größere, neutrale Farbfläche, die es möglich macht, dass man den Blick auf das Wesentliche, die Farbe, die Kunst, konzentrieren kann. Kräftige Farben wie Schwarz, Blau, Lila eignen sich hervorragend hierfür, gerne aber auch Weiß. Der Phantasie und den Möglichkeiten sind hier keine Grenzen gesetzt. Der Vorteil am negativ space ist, dass Du unruhige Ecken hast, die durch den negativen Space jedoch wieder beruhigt werden. Nichts ist  schlimmer, als dass Dir und Deinem Kunden schwindelig bei Anblick des Bildes wird. Ich denke, Du verstehst was ich meine.

Zellen:

Viele Künstler definieren sich darüber, ob ihre Bilder Zellen bilden oder nicht. Zellen sind schön, verstehe mich nicht falsch. Sie zeigen, dass die Farbe miteinander reagiert und dass ist natürlich toll. Aber es ist nicht alles, was ein Bild beim Pouring ausmacht in meinen Augen. Die Farbkombination, die Linien, kleine versteckte Wunder zeichnen sie für mich aus. Zellen sind in meinen Augen dabei nur ein Bonus zu alldem. Zu viel Zellen machen für mich ein Bild schnell unruhig und ich persönlich bin davon kein Fan.

Lacing:

Der Begriff des Lacing kommt vom Überlagern der Farben. Es kommt von dem Englische Lace, was so viel wie Spitze heißt. Spitze ist durchscheinend, so dass die Haut darunter zu erahnen, manches mal auch zu sehen ist. Dies heißt fürs Acrylpouring übersetzt, dass sich eine Farbe wie ein Schimmer über eine andere legt. Dadurch läßt Du eine ungeheure Tiefe entstehen. Es ist ein gewünschter Effekt, der nicht leicht zu provozieren ist. Manchmal ist einfach der Zufall Freund und Helfer. 

Wreck a Ringpour:

Zu gut deutsch: Zerstöre einen Ringpour. Einen Ringpour habe ich Dir bereits beschrieben und beim „Wreck a Ringpour“ gehst Du einen Schritt weiter. In gewisser Weise zerstörst Du ihn, indem Du wie beim Puddle Pour mit Deinem Finger oder mit der Spitze Deines Pinsels durch die Farbe gehst. Dadurch entstehen ungleichmäßigere Muster, interessantere Farbverläufe als bei einem „einfachen“ Ringpour. Eine einfache Technik mit schnellen und wirklich schönen Ergebnissen.

Cloudpour:

Ein Cloudpour ist ein Pouring, welches auf wolkenartige, watteweichen Zellen abzielt. Diesen kannst Du mit Satin Enamel, einem Möbellack aus den USA oder einfachem handelsüblichen Möbellacken hervorzauber. Diese müssen in die Grundfarbe wie weiß oder schwarz dazugegeben werden, so dass die Grundfarbe ein Mix aus Deiner üblichen Acrylfarbe und dem Möbellack bildet. Hast Du Interesse davon, wie so etwas aussehen kann, dann klicke hier und erfahre mehr.

Sind diese Pouringbegriffe nun so kompliziert?

Acrylpouring kann in der Tat außerordentlich kompliziert sein. Aber Du solltest Dich von all diesen Pouringbegriffen nicht abschrecken lassen. Die Kunst, die Du daraus entstehen lassen kannst ist einzigartig und spricht für Deinen individuellen Geschmack. Ich hoffe, dass das Thema Acrylpouring für Dich jetzt um einiges klarer ist und die Pouringbegriffe kein unüberwindbare Barriere mehr darstellen. Fehlen Dir noch Pouringbegriffe, so hinterlasse gerne einen Kommentar und ich werde auch diese Mysterium für Dich lösen. Ich freue mich darauf und wünsche Dir weiterhin gutes Gelingen.

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